Befristeter vs. unbefristeter Arbeitsvertrag (Schweiz): Unterschiede, Vor- & Nachteile

Jurilo von Lawise.ai:

In der Schweiz gibt es zwei grundlegende Arten von Arbeitsverträgen: den befristeten und den unbefristeten Arbeitsvertrag. Beide Vertragsformen regeln das Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, unterscheiden sich jedoch in ihrer Dauer, Kündigungsmöglichkeiten und rechtlichen Wirkung. In diesem Beitrag erfahren Sie, worin die Unterschiede bestehen, welche Vor- und Nachteile jede Vertragsform hat und was rechtlich zu beachten ist.

Was ist ein befristeter Arbeitsvertrag?

Ein befristeter Arbeitsvertrag ist ein Arbeitsverhältnis, das von Anfang an auf eine bestimmte Dauer abgeschlossen wird. Es endet automatisch mit Ablauf der vereinbarten Frist, ohne dass es einer Kündigung bedarf.

Rechtsgrundlage:

  • Art. 334 OR

Typische Beispiele:

  • Projektbezogene Anstellungen
  • Mutterschaftsvertretungen
  • Saisonstellen

Was ist ein unbefristeter Arbeitsvertrag?

Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist auf unbestimmte Zeit abgeschlossen. Er kann von beiden Parteien unter Einhaltung der gesetzlichen oder vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen gekündigt werden.

Rechtsgrundlage:

  • Art. 335 OR

Diese Vertragsform ist in der Schweiz die Regel und bietet mehr Stabilität und Kündigungsschutz.

Unterschiede im Überblick

Kriterium Befristeter Vertrag Unbefristeter Vertrag
Dauer Fixe Laufzeit Unbestimmt
Kündigung Grundsätzlich nicht möglich Jederzeit mit Kündigungsfrist
Kündigungsschutz Nein Ja (z. B. Krankheit)
Sperrfristen Keine Ja
Planungssicherheit Für Arbeitgeber Für Arbeitnehmer

Kündigungsmöglichkeiten

Befristeter Vertrag

Ein befristeter Vertrag kann grundsätzlich nicht ordentlich gekündigt werden. Eine vorzeitige Beendigung ist nur möglich, wenn:

  • dies ausdrücklich im Vertrag vereinbart wurde
  • ein wichtiger Grund vorliegt (Art. 337 OR)

Nach Ablauf von zehn Jahren kann ein befristeter Vertrag mit einer Frist von sechs Monaten auf Monatsende gekündigt werden (Art. 334 Abs. 3 OR).

Unbefristeter Vertrag

Ein unbefristeter Vertrag kann jederzeit unter Einhaltung der Kündigungsfrist gekündigt werden:

  • 1 Monat im 1. Dienstjahr
  • 2 Monate im 2. bis 9. Dienstjahr
  • 3 Monate ab dem 10. Dienstjahr
    (jeweils auf Monatsende, gemäss Art. 335c OR)

Vor- und Nachteile

Vorteile befristeter Vertrag

  • Klare zeitliche Planung
  • Geeignet für Projekte oder Vertretungen
  • Kein Kündigungsaufwand bei Fristablauf

Nachteile befristeter Vertrag

  • Weniger Sicherheit für Arbeitnehmer
  • Kein Kündigungsschutz bei Krankheit oder Schwangerschaft
  • Gefahr der Kettenverträge (mehrfache Verlängerung)

Vorteile unbefristeter Vertrag

  • Höhere Arbeitsplatzsicherheit
  • Kündigungsschutz (z. B. bei Krankheit, Unfall)
  • Bessere Chancen auf berufliche Entwicklung

Nachteile unbefristeter Vertrag

  • Kündigung muss aktiv ausgesprochen werden
  • Längere Kündigungsfristen

Fazit

Die Wahl zwischen befristetem und unbefristetem Arbeitsvertrag hängt von den Bedürfnissen beider Parteien ab. Während befristete Verträge Flexibilität bieten, gewähren unbefristete Verträge mehr Sicherheit und Schutz. Wichtig ist, dass die Vertragsform klar geregelt und schriftlich festgehalten wird, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden.

👉 Unsicher was in ein befristeter vs unbefristeter Arbeitsvertrag ist?

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👉 Siehe auch: Kündigung während Krankheit – Sperrfrist nach OR

👉 Passend dazu: Vertragsänderung bei befristeten Arbeitsverträgen

👉 Grundlagen: Arbeitsvertrag Schweiz – Inhalt & rechtliche Grundlagen

FAQ zu befristeter vs. unbefristeter Arbeitsvertrag

Muss ein befristeter Arbeitsvertrag schriftlich sein?

Nein, auch ein befristeter Vertrag kann mündlich abgeschlossen werden. Aus Beweisgründen ist jedoch ein schriftlicher Vertrag dringend zu empfehlen.

Kann ein befristeter Vertrag vorzeitig gekündigt werden?

Nur wenn dies ausdrücklich im Vertrag vereinbart wurde oder ein wichtiger Grund vorliegt (z. B. Vertrauensbruch, schwere Pflichtverletzung).

Was passiert, wenn ein befristeter Vertrag nach Ablauf weitergeführt wird?

Wird das Arbeitsverhältnis nach Ablauf der Frist stillschweigend fortgesetzt, gilt es als unbefristet abgeschlossen (Art. 334 Abs. 2 OR).

Gibt es eine maximale Dauer für befristete Verträge?

Das Gesetz kennt keine feste Obergrenze. Nach zehn Jahren kann jedoch jede Partei mit sechs Monaten Frist kündigen (Art. 334 Abs. 3 OR).

Gilt der Kündigungsschutz bei Krankheit auch bei befristeten Verträgen?

Nein. Die Sperrfristen gemäss Art. 336c OR gelten nur bei unbefristeten Verträgen. Ein befristeter Vertrag endet auch bei Krankheit zum vereinbarten Termin.

Kann ein befristeter Vertrag mehrfach verlängert werden?

Ja, aber bei mehrfacher Verlängerung ohne sachlichen Grund kann ein Gericht das Arbeitsverhältnis als unbefristet qualifizieren (sogenannte Kettenverträge).

Was ist sicherer für den Arbeitnehmer: befristet oder unbefristet?

Ein unbefristeter Vertrag bietet mehr Sicherheit, Kündigungsschutz und bessere Chancen auf berufliche Entwicklung.

Muss ich bei einem befristeten Vertrag kündigen, wenn ich früher gehen will?

Ja, wenn keine Kündigungsmöglichkeit vereinbart wurde, ist eine vorzeitige Beendigung nur mit Zustimmung des Arbeitgebers oder aus wichtigem Grund möglich.

Habe ich bei einem befristeten Vertrag Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Ja. Auch bei befristeten Verträgen besteht Anspruch auf ein qualifiziertes oder einfaches Arbeitszeugnis (Art. 330a OR).

Was passiert mit meinen Ferien, wenn der befristete Vertrag endet?

Nicht bezogene Ferien müssen ausbezahlt werden, wenn sie bis zum Vertragsende nicht bezogen werden konnten. Der Ferienanspruch besteht auch bei befristeten Verträgen.